Projekttag der 9ten und 10ten Jahrgangsstufe anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Projekttag der 9ten und 10ten Jahrgangsstufe anlässlich des Holocaust-Gedenktages

 

Eindrücke einer Schülergruppe, die die Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau besucht hat.

 
 

Von: Tizian Herrnberger, Simon Heimerl und Florian Siegmar

 „Die Forderung, dass  Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“

Dieses Zitat stammt vom bekanntesten Vertreter der Frankfurter Schule: Theodor W. Adorno. Nach Maria Montessori geschieht Bildung durch Kopf, Herz und Hand, also durch die Erfahrung von Fakten, das Verinnerlichen von Emotionen und die Anwendung in der Praxis in Form der Weitergabe der Erkenntnis. Nach diesem Modell gingen die Schüler*innen der Oświęcimgruppe der 12. Klasse vor, indem sie sich intensiv mit der Geschichte der Lager auseinandersetzten, die emotionale Annäherung wagten und die Einsicht in den Schrecken an Mitschüler*innen des RTGs weiterzugeben gedachten. All dies wurde ermöglicht durch die Sanddorf-Stiftung und ihre großzügige Förderung so wichtiger Projekte. So konnten Simon Heimerl, Tizian Herrnberger und Florian Siegmar ihre Erfahrungen aus der Besichtigung des Vernichtungslagers Auschwitz mit Schüler*innen der 9. und 10. Jahrgangsstufe teilen und so ein kleines Stück weit der Forderung Adornos nachkommen  und auch die persönliche Auseinandersetzung vertiefen.

Simon Heimerl referierte über die Entstehung und Geschichte des Vernichtungslagers Auschwitz und schilderte den Alltag der Häftlinge, sowie die massenhaften Kriegsverbrechen des deutschen Reiches und des deutschen Faschismus. Die Zuhörenden zeigten sich sichtlich ergriffen angesichts der schlichten Darstellung der Ermordung von Millionen Juden, Sinti und Roma, geschlechtlich Andersorientierten, politisch Andersdenkenden, arbeitslosen und körperlich und geistig behinderten Menschen. Mithilfe von Kartenmaterial wurde das Ausmaß der Vernichtungsmaschinerie verdeutlicht. Im Programm folgte die Darstellung des Reiseablaufs, der in dieser Weise von der Sanddorf-Stiftung ermöglicht wurde, durch Florian Siegmar. Zu den breitgefächerten Aktivitäten zählten unter anderem Führungen und Selbsterkundungen der Lager Auschwitz I und II, bei der auch unter Zuhilfenahme von Texten Überlebender der Shoah ein stärkeres Bewusstsein für den Schrecken geschaffen wurde und die Erkenntnis des Ausmaßes des Horrors ermöglicht wurde. Abschließend folgte der ausführliche Vortrag Tizian Herrnbergers unter dem Titel „Auschwitz – Persönliche Eindrücke und künstlerische Annäherung durch Zeitzeugen“. Im Rahmen dieses Referats ging er besonders auf die emotionalen Aspekte ein. Eindrücklich schilderte er die emotionale Auseinandersetzung mit dem Schrecken, die sich besonders angesichts von Haar- und Schuhbergen, industriellen Vernichtungsmaschinerien, der künstlerischen Darstellung v.a. durch den Auschwitzüberlebenden David Oleré und der Auseinandersetzung mit den gleichgültigen Tätern selbst, dem beobachtenden Individuum förmlich aufdrängte. Um das Publikum noch weiter für das Entsetzliche, das nicht Wiederzugebende, zu sensibilisieren folgte auf die Darlegung individueller Eindrücke die Auseinandersetzung mit Texten von Eli Wiesel, Tadeusz Borowski und Paul Celan.

Die Schüler*innen der Oświęcimgruppe durchliefen also in ihrer Auseinandersetzung die drei pädagogischen Phasen Maria Montessoris, Lernen mit Kopf, Herz und Hand, und konnten so einerseits individuell einen Einblick in das unermessliche Grauen der Shoah erlangen, andererseits durch die Vermittlung ihrer Einsichten selbst zur gesamtgesellschaftlichen Erinnerungskultur beitragen.